Fettpolster beim Pferd

Nicht jedes Pölsterchen ist nur Übergewicht.

Fettpolster beim Pferd fallen nicht immer sofort auf. Manchmal zeigt sich ein kräftiger Mähnenkamm, manchmal lagert sich Fett bevorzugt an einzelnen Körperregionen ab. Solche regionalen Fettdepots können Hinweise auf den Ernährungs- und Stoffwechselzustand geben – sie erlauben für sich allein jedoch keine Diagnose.

Besonders interessant werden sie, wenn weitere Faktoren hinzukommen. Denn Übergewicht, Fettverteilung und Insulindysregulation hängen zwar miteinander zusammen, sind aber nicht dasselbe. Ein Pferd kann deutliche Fettpolster haben, ohne dass damit automatisch EMS bewiesen ist – und auch ein äußerlich schlankes Pferd kann von einer Insulindysregulation betroffen sein.

Kurz erklärt

Fettpolster beim Pferd sind nicht immer gleichmäßig über den Körper verteilt. Während manche Pferde insgesamt an Gewicht zunehmen, entwickeln andere auffällige Fettdepots an einzelnen Körperstellen.

Typische Bereiche sind der Mähnenkamm und der Schweifansatz. Fettansammlungen können außerdem hinter der Schulter sowie bei Wallachen im Bereich des Präputiums und bei Stuten im Bereich der Milchdrüsen auftreten.

Solche Veränderungen sind ein guter Grund, genauer hinzusehen. Sie bedeuten aber nicht automatisch, dass ein Pferd EMS hat.

Beim Equinen Metabolischen Syndrom (EMS) spielt die Insulindysregulation eine zentrale Rolle. Übergewicht und regionale Fettpolster kommen bei betroffenen Pferden häufig vor – sie müssen aber nicht vorhanden sein. Es gibt auch Pferde mit Insulindysregulation, die äußerlich schlank oder normalgewichtig erscheinen.

Umgekehrt gilt genauso: Nicht jedes übergewichtige Pferd hat automatisch eine Insulindysregulation. Ob die Insulinregulation tatsächlich gestört ist, lässt sich daher nicht allein am Aussehen erkennen. Dafür ist eine entsprechende tierärztliche Diagnostik notwendig.

MERKE
Fettpolster können Hinweise geben. Eine Diagnose sind sie nicht.

Wo sitzen typische Fettpolster beim Pferd?

Fett verteilt sich beim Pferd nicht immer gleichmäßig über den Körper. Während manche Pferde insgesamt an Gewicht zunehmen, entwickeln andere auffällige Fettdepots an einzelnen Körperstellen.

Mähnenkamm
Der Mähnenkamm ist eine besonders wichtige Region. Ein ausgeprägter Fettkamm kann deutlich sichtbar und auch tastbar sein. Für seine systematische Beurteilung gibt es sogar ein eigenes Bewertungssystem: den Cresty Neck Score. Diesen schauen wir uns weiter unten noch genauer an.

Schweifansatz
Auch rund um den Schweifansatz können sich Fettdepots bilden. Deshalb gehört dieser Bereich zu den Körperregionen, die bei der Beurteilung des Ernährungszustands und der Fettverteilung mit betrachtet werden.

Hinter der Schulter
Fett kann sich ebenfalls hinter der Schulter ablagern. Je nach Ausprägung können dadurch die Konturen zwischen Schulter und Rumpf weniger deutlich erscheinen. Auch diese Region wird bei der Beurteilung des Körperzustands berücksichtigt.

Präputium und Milchdrüsenregion
Bei Wallachen können Fettansammlungen im Bereich des Präputiums und bei Stuten im Bereich der Milchdrüsen auftreten. Auch diese Stellen zählen zu den beschriebenen Regionen, an denen sich Fett lokal verstärkt ablagern kann.

Entscheidend ist dabei: Eine einzelne auffällige Körperstelle sollte nie isoliert bewertet werden. Sie kann Anlass sein, genauer hinzusehen – sie verrät aber weder allein die Ursache noch beweist sie eine Stoffwechselstörung.

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Fettverteilung beobachten – aber immer das ganze Pferd betrachten.

Fettpolster richtig beurteilen

Ein Pferd nur anzuschauen reicht nicht immer aus, um seinen Körperzustand zuverlässig einzuschätzen. Besonders dichtes oder langes Fell kann Konturen verdecken. Deshalb gehört zur Beurteilung neben dem Anschauen immer auch das Abtasten.

Zwei Bewertungssysteme können dabei helfen: der Body Condition Score (BCS) für den allgemeinen Körperzustand und der Cresty Neck Score (CNS) speziell für den Mähnenkamm.

Body Condition Score – der ganze Körper zählt

Beim verbreiteten Henneke-System wird der Körperzustand auf einer Skala von 1 bis 9 beurteilt. Dabei werden sechs Bereiche betrachtet und ertastet: Hals, Widerrist, Rücken/Lendenbereich, Schweifansatz, Rippen und der Bereich hinter der Schulter.

Der BCS hilft dabei, Veränderungen des allgemeinen Körperzustands möglichst systematisch zu verfolgen. Er beschreibt jedoch die Fettabdeckung des Körpers – nicht die Funktion des Stoffwechsels.

Cresty Neck Score – der Mähnenkamm im Fokus

Der Cresty Neck Score betrachtet gezielt die Fettansammlung am Mähnenkamm. Die Skala reicht von 0 bis 5. Bei 0 ist kein Fettkamm tastbar, mit zunehmendem Score wird der Kamm ausgeprägter. Bei 5 ist er so stark ausgeprägt, dass er dauerhaft zu einer Seite fällt.

Ein ausgeprägter Mähnenkamm ist dabei mehr als nur eine Frage der Optik: Regionale Fettansammlungen können im Zusammenhang mit Stoffwechselproblemen auftreten. Ein hoher CNS beweist aber weder eine Insulindysregulation noch EMS. Für die Diagnose von EMS ist der Nachweis einer Insulindysregulation entscheidend.

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BCS betrachtet den allgemeinen Körperzustand. CNS betrachtet gezielt den Mähnenkamm. Beide liefern Hinweise – aber keine Stoffwechseldiagnose.

Was haben Fettpolster mit dem Stoffwechsel zu tun?

Fettgewebe ist nicht einfach nur ein Energiespeicher. Es ist stoffwechselaktiv und bildet unter anderem Botenstoffe, sogenannte Adipokine. Die Zusammenhänge zwischen Fettgewebe, Adipokinen und Insulindysregulation sind jedoch komplex und noch nicht in allen Einzelheiten geklärt.

Fest steht: Übergewicht, regionale Fettdepots und Insulindysregulation können miteinander verbunden sein – sie sind aber nicht dasselbe. Ein Pferd mit deutlichen Fettpolstern kann eine Insulindysregulation haben, muss es aber nicht. Umgekehrt können auch normalgewichtige oder schlanke Pferde betroffen sein.

Warum spielt Insulin dabei eine so wichtige Rolle?

Insulin ist ein Hormon, das wesentlich an der Regulation des Energie- und Glukosestoffwechsels beteiligt ist. Nach der Aufnahme bestimmter Kohlenhydrate reagiert der Körper mit einer Insulinausschüttung.

Bei einer Insulindysregulation (ID) ist diese Regulation verändert. Sie kann sich auf unterschiedliche Weise zeigen – beispielsweise durch erhöhte Insulinkonzentrationen in Ruhe, eine übermäßig starke oder verlängerte Insulinantwort nach einer Kohlenhydrataufnahme und/oder eine verminderte Empfindlichkeit von Geweben gegenüber Insulin.

Wichtig dabei: Insulindysregulation ist nicht einfach ein anderes Wort für Insulinresistenz. Insulinresistenz kann ein Bestandteil der Insulindysregulation sein, muss aber nicht bei jedem betroffenen Pferd vorliegen.

Warum ist das so wichtig? Erhöhte Insulinkonzentrationen spielen eine zentrale Rolle bei der hyperinsulinämie-assoziierten Hufrehe. Deshalb ist es wichtig, eine mögliche Insulindysregulation zu erkennen und tierärztlich abzuklären.

Auffällige Fettdepots können also ein Grund sein, genauer hinzusehen. Ob tatsächlich eine Insulindysregulation vorliegt, lässt sich am Aussehen des Pferdes allein jedoch nicht feststellen.

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Fettpolster können Hinweise auf ein metabolisches Risiko geben. Entscheidend ist aber nicht das Aussehen allein, sondern die tatsächliche Insulinregulation des Pferdes.

Wann sollte man genauer hinschauen?

Ein einzelnes Fettpolster bedeutet noch nicht, dass ein Pferd krank ist. Interessanter wird es, wenn sich der Körperzustand oder die Fettverteilung verändern oder weitere Auffälligkeiten hinzukommen.

Genauer hinschauen sollte man beispielsweise, wenn ein Pferd zunehmend Fett am Mähnenkamm oder an anderen typischen Regionen einlagert, insgesamt deutlich an Gewicht zunimmt oder sich nur schwer in einem angemessenen Körperzustand halten lässt.

Auch eine bekannte oder frühere Hufrehe ist ein wichtiger Hinweis in der Vorgeschichte. Eine Insulindysregulation ist ein wesentlicher Risikofaktor für die Entwicklung einer hyperinsulinämie-assoziierten Hufrehe.

Nicht auf das Aussehen allein verlassen

Ein Pferd muss nicht deutlich übergewichtig aussehen, um eine Insulindysregulation zu haben. Umgekehrt beweisen Übergewicht, Fettpolster oder ein ausgeprägter Mähnenkamm keine Insulindysregulation.

Deshalb zählt immer das Gesamtbild: Körperzustand, Fettverteilung, Veränderungen über die Zeit, Vorgeschichte und gegebenenfalls weitere klinische Befunde.

Auch die Hufe können Hinweise liefern. Bei chronischer Hufrehe können beispielsweise divergierende Hufwachstumsringe auftreten, die im Trachtenbereich breiter als im Zehenbereich verlaufen. Solche Veränderungen sind jedoch nicht allein beweisend und sollten im Zusammenhang mit dem gesamten Huf und der Vorgeschichte beurteilt werden.

Wann ist eine tierärztliche Abklärung sinnvoll?

Besteht aufgrund des Gesamtbildes oder der Vorgeschichte der Verdacht auf eine Insulindysregulation, sollte diese gezielt tierärztlich abgeklärt werden.

Dabei ist wichtig: Ein einzelner unauffälliger basaler Insulinwert kann eine Insulindysregulation nicht in jedem Fall sicher ausschließen. Je nach Situation können weitere Untersuchungen oder dynamische Tests sinnvoll sein. Welches Verfahren geeignet ist, sollte der Tierarzt anhand des jeweiligen Pferdes und der Untersuchungsbedingungen entscheiden.

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Nicht ein einzelnes Fettpolster entscheidet. Veränderungen über die Zeit, Hufgesundheit, Vorgeschichte und das Gesamtbild liefern die wichtigen Hinweise.

Was kannst du bei deinem Pferd selbst beobachten?

Du kennst dein Pferd im Alltag am besten. Gerade deshalb können regelmäßige Beobachtungen über längere Zeit hilfreich sein. Dabei geht es nicht darum, selbst eine Diagnose zu stellen, sondern Veränderungen frühzeitig wahrzunehmen und bei Bedarf gezielt abklären zu lassen.

Körperzustand regelmäßig vergleichen

Schau dein Pferd nicht nur von der Seite an. Betrachte es auch von vorne und von hinten und taste die wichtigen Körperregionen regelmäßig ab.

Achte dabei besonders auf Veränderungen an Mähnenkamm, Rippenbereich, hinter der Schulter und Schweifansatz. Bei Wallachen kann zusätzlich der Präputialbereich und bei Stuten die Milchdrüsenregion beobachtet werden.

BCS und Cresty Neck Score können dabei helfen, die eigene Einschätzung systematischer und über die Zeit vergleichbarer zu machen.

Veränderungen dokumentieren

Fotos können dabei sehr hilfreich sein. Fotografiere dein Pferd möglichst regelmäßig aus ähnlicher Position und Entfernung, auf vergleichbarem Untergrund und möglichst in ähnlicher Körperhaltung. Dadurch lassen sich schleichende Veränderungen leichter erkennen.

Auch BCS, CNS und die Gewichtsentwicklung können dokumentiert werden. Wird das Gewicht mit einem Gewichtsmaßband oder anhand von Körpermaßen geschätzt, sollte möglichst immer dieselbe Methode unter vergleichbaren Bedingungen verwendet werden. So lässt sich die Entwicklung besser verfolgen – auch wenn der ermittelte Wert kein exaktes Körpergewicht darstellt.

Auch die Hufe gehören zum Gesamtbild

Beobachte regelmäßig, wie sich dein Pferd bewegt und wie sich seine Hufe entwickeln. Veränderungen im Gangbild, ungewöhnliche Entlastungshaltungen oder Auffälligkeiten an den Hufen sind Gründe, genauer hinzusehen und sie gegebenenfalls fachlich abklären zu lassen.

Bei Verdacht auf eine akute Hufrehe gilt etwas anderes: Das Pferd sollte möglichst wenig bewegt und unverzüglich tierärztlicher Rat eingeholt werden. Ein Pferd mit Reheverdacht sollte nicht zusätzlich geführt oder vorgetrabt werden, nur um zu prüfen, wie deutlich es lahmt.

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Beobachten bedeutet nicht diagnostizieren. Es bedeutet, Veränderungen zu erkennen, zu dokumentieren und rechtzeitig zu reagieren.