EMS & Haltung

Wenn Bewegung und kontrollierte Fütterung zusammenpassen müssen

Bei Pferden mit Equinem Metabolischen Syndrom (EMS) spielt das tägliche Management eine wichtige Rolle. Dabei müssen verschiedene Faktoren miteinander in Einklang gebracht werden: eine angepasste Fütterung, Möglichkeiten zur Bewegung und eine Haltung, die zum individuellen Pferd und seiner gesundheitlichen Situation passt.

Gerade bei leichtfuttrigen Pferden und Ponys kann das zur Herausforderung werden. Einerseits müssen Energieaufnahme und insbesondere die Aufnahme bestimmter Kohlenhydrate berücksichtigt werden. Andererseits gehört Bewegung – sofern die Hufgesundheit sie zulässt – zu einem sinnvollen Management.

Doch EMS-gerechte Haltung bedeutet nicht einfach „weniger füttern und mehr bewegen“. Entscheidend ist, das gesamte Management auf das einzelne Pferd abzustimmen – unter anderem auf Körperzustand, Insulinregulation, Fütterung und Hufgesundheit.

Dabei dürfen die allgemeinen Bedürfnisse des Pferdes nicht aus dem Blick geraten. Sozialkontakt, Bewegungsmöglichkeiten und eine pferdegerechte Umgebung bleiben wichtige Bestandteile der Haltung – auch wenn das Management aufgrund einer Stoffwechselstörung angepasst werden muss.

Besondere Vorsicht gilt bei Hufrehe: Bei aktiver Hufrehe darf Bewegung nicht als Trainings- oder Gewichtsreduktionsmaßnahme erzwungen werden. Hier stehen zunächst Schmerzfreiheit und Hufstabilität im Vordergrund.

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EMS-gerechte Haltung entsteht nicht durch eine einzelne Maßnahme. Fütterung, Bewegung, Haltung und Hufgesundheit müssen individuell zusammenpassen.

 

 

 

Was bedeutet „EMS-gerechte Haltung“ überhaupt?

Eine besondere Haltungsform nur für Pferde mit EMS gibt es nicht. Entscheidend ist vielmehr, die Haltung so zu gestalten, dass sie zum Stoffwechsel und zur aktuellen gesundheitlichen Situation des einzelnen Pferdes passt.

Dabei treffen im Alltag unterschiedliche Anforderungen aufeinander. Das Pferd braucht Bewegung, Sozialkontakt und Möglichkeiten zu pferdetypischem Verhalten. Gleichzeitig kann es notwendig sein, die Futteraufnahme und insbesondere die Aufnahme nichtstruktureller Kohlenhydrate (NSC), zu denen unter anderem Zucker und Stärke gehören, gezielt zu kontrollieren.

Genau darin liegt häufig die Herausforderung: Ein großer Auslauf mit viel Gras bietet zwar Bewegungsraum, gleichzeitig lässt sich dort die Aufnahme von Gras und damit von NSC häufig nur schwer kontrollieren. Gerade bei ausgeprägter oder noch nicht ausreichend kontrollierter Insulindysregulation kann freier Weidezugang deshalb ungeeignet sein.

Umgekehrt löst eine sehr kleine, futterarme Fläche zwar möglicherweise das Problem der Futterkontrolle, bietet aber nicht automatisch ausreichend Bewegungsanreize.

Es geht nicht um eine bestimmte Haltungsform

Ob Box mit Auslauf, Paddock, Offenstall oder Paddocktrail geeignet ist, lässt sich deshalb nicht allein am Namen der Haltungsform festmachen.

Wichtiger sind andere Fragen: Wie viel bewegt sich das Pferd tatsächlich? Wie gut lässt sich seine Futteraufnahme kontrollieren? Wie ist der Untergrund gestaltet? Kann es Sozialkontakt haben? Und lässt sich die Haltung anpassen, wenn sich Stoffwechsel oder Hufgesundheit verändern?

Bei einem Pferd mit aktiver Hufrehe können außerdem vorübergehend ganz andere Anforderungen an Haltung und Bewegung gelten als bei einem beschwerdefreien Pferd mit kontrollierter Insulindysregulation.

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Nicht die Bezeichnung der Haltungsform entscheidet, ob sie für ein Pferd mit EMS geeignet ist. Entscheidend ist, was sie dem individuellen Pferd tatsächlich ermöglicht – und was sich kontrollieren lässt.

 

Bewegung bei EMS – warum sie wichtig ist

Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil des Managements von Pferden mit EMS und Insulindysregulation. Regelmäßige körperliche Aktivität kann dazu beitragen, die Insulinempfindlichkeit zu verbessern und das Gewichtsmanagement zu unterstützen.

Dabei spielt nicht nur der zusätzliche Energieverbrauch eine Rolle. Bewegung beeinflusst auch den Glukosestoffwechsel: Die arbeitende Muskulatur kann vermehrt Glukose aufnehmen. Positive Effekte von Bewegung können deshalb auch unabhängig von einer Gewichtsabnahme von Bedeutung sein.

Bewegung beginnt nicht erst beim Training

Auch die Gestaltung der Haltung kann beeinflussen, wie viel sich ein Pferd im Alltag bewegt. Längere Wege zwischen verschiedenen Bereichen können zusätzliche Bewegungsanreize schaffen. Sie ersetzen bei einem gesundheitlich geeigneten Pferd jedoch nicht automatisch gezielte körperliche Aktivität.

Wie viel und welche Bewegung sinnvoll ist, lässt sich nicht für jedes Pferd gleich beantworten. Alter, Trainingszustand, Körpergewicht, weitere Erkrankungen und insbesondere die Hufgesundheit müssen berücksichtigt werden.

Bei einem beschwerdefreien Pferd kann gezielte körperliche Aktivität Bestandteil des EMS-Managements sein. Die Belastung sollte dabei schrittweise an den individuellen Trainingszustand angepasst werden.

Mehr Platz bedeutet nicht automatisch mehr Bewegung

Auch auf einem großen Paddock oder im Offenstall kann ein Pferd einen erheblichen Teil des Tages an wenigen Stellen verbringen, wenn sich dort beispielsweise Futter, Wasser und Ruhebereiche befinden.

Deshalb lohnt sich nicht nur die Frage:

„Wie groß ist der Auslauf?“

sondern auch:

„Wie viel bewegt sich das Pferd dort tatsächlich?“

Bei Pferden mit aktiver Hufrehe gelten allerdings andere Voraussetzungen. Hier darf zusätzliche Bewegung nicht als Trainings- oder Gewichtsreduktionsmaßnahme erzwungen werden. Darauf gehen wir im nächsten Abschnitt genauer ein.

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Bewegungsfläche und tatsächliche Bewegung sind nicht dasselbe. Bewegung kann ein wichtiger Bestandteil des EMS-Managements sein – sie muss aber immer zur gesundheitlichen Situation des einzelnen Pferdes passen.

Bewegung bei Hufrehe – wann weniger mehr ist

Bewegung kann bei EMS ein wichtiger Bestandteil des Managements sein. Bei einer aktiven Hufrehe verändert sich die Situation jedoch grundlegend.

Bei einer Hufrehe wird der Lamellenapparat des Hufes geschädigt, der wesentlich zur Verbindung zwischen Hufwand und Hufbein beiträgt. Je nach Schweregrad kann diese Verbindung beeinträchtigt werden. Zusätzliche mechanische Belastung kann in dieser Phase problematisch sein.

Deshalb darf ein Pferd mit akuter beziehungsweise aktiver Hufrehe nicht zum Laufen oder Trainieren gezwungen werden, nur weil Bewegung bei EMS grundsätzlich sinnvoll sein kann.

Erst der Huf – dann das Training

In dieser Phase stehen zunächst Schmerzlinderung, Unterstützung und Stabilisierung des Hufes sowie die Behandlung beziehungsweise Kontrolle der zugrunde liegenden Ursache im Vordergrund.

Wann und in welchem Umfang Bewegung wieder möglich ist, sollte anhand des individuellen Befundes tierärztlich beurteilt und mit der Hufbearbeitung abgestimmt werden.

Das bedeutet auch: Ein Pferd sollte bei Reheverdacht nicht zusätzlich geführt oder vorgetrabt werden, um zu testen, wie deutlich es lahmt. Bei Verdacht auf eine akute Hufrehe sollte unnötige Bewegung möglichst vermieden und unverzüglich tierärztlicher Rat eingeholt werden.

Bewegung kann später wieder wichtig werden

Ist das Pferd wieder komfortabel und hat sich die Stabilität des Hufes ausreichend verbessert, kann Bewegung vorsichtig und schrittweise wieder Teil des Managements werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, ob erneut Schmerzen oder Lahmheit auftreten.

Wann dieser Zeitpunkt erreicht ist, lässt sich nicht pauschal nach einer bestimmten Anzahl von Tagen oder Wochen festlegen.

Gerade bei EMS entsteht damit manchmal ein scheinbarer Widerspruch: Der Stoffwechsel profitiert langfristig von Bewegung, während der erkrankte Huf zunächst Entlastung und Schutz benötigt.

Beides ist richtig – nur nicht unbedingt zur gleichen Zeit.

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Bei aktiver Hufrehe hat die Sicherheit des Hufes Vorrang. Bewegung wird erst dann wieder zum Bestandteil des EMS-Managements, wenn die gesundheitliche Situation sie zulässt.

Fütterung und Haltung zusammendenken

Bei Pferden mit EMS lässt sich die Fütterung nicht getrennt von der Haltung betrachten. Wo und wie ein Pferd gehalten wird, bestimmt wesentlich mit, welches Futter es aufnehmen kann, wie lange es Zugang dazu hat und wie gut sich die Aufnahme kontrollieren lässt.

Das betrifft nicht nur die Weide. Auch Raufuttermenge und -zusammensetzung, das verwendete Fütterungssystem sowie Anzahl und Verteilung der Fressplätze beeinflussen, wie sich die Fütterung im Alltag tatsächlich umsetzen lässt.

Kontrolliert füttern bedeutet nicht einfach „weniger Heu“

Bei EMS und Insulindysregulation geht es nicht darum, die Futtermenge möglichst stark zu reduzieren. Entscheidend sind eine bedarfsgerechte Energieversorgung und die Kontrolle der Aufnahme nichtstruktureller Kohlenhydrate (NSC).

Soll ein übergewichtiges Pferd Gewicht verlieren, muss die Ration entsprechend angepasst werden. Die Gewichtsabnahme sollte jedoch kontrolliert erfolgen. Eine extreme Futterrestriktion oder längeres Fasten ist keine geeignete Abnehmstrategie und kann gesundheitliche Risiken mit sich bringen.

Wird die Energiezufuhr reduziert, muss gleichzeitig darauf geachtet werden, dass das Pferd weiterhin ausreichend mit Protein, Vitaminen und Mineralstoffen versorgt wird. Gerade bei Ponys und sehr leichtfuttrigen Pferden kann es deshalb sinnvoll sein, die Ration fachlich berechnen beziehungsweise überprüfen zu lassen.

Die Haltung muss Futterkontrolle überhaupt ermöglichen

In der Praxis kann genau das schwierig werden. Steht beispielsweise in einer Gruppe Raufutter zur freien Verfügung, lässt sich die individuelle Aufnahme eines einzelnen Pferdes häufig nur schwer beurteilen oder begrenzen.

Das bedeutet nicht, dass Gruppenhaltung für Pferde mit EMS ungeeignet ist. Entscheidend ist vielmehr, ob sich die für das einzelne Pferd notwendige Fütterung innerhalb der Gruppe zuverlässig umsetzen lässt.

Gleichzeitig muss eine kontrollierte Fütterung so organisiert werden, dass das Pferd nicht von Futter verdrängt wird und seine vorgesehene Ration tatsächlich aufnehmen kann.

Deshalb gehören bei der Haltung eines Pferdes mit EMS immer zwei Fragen zusammen:

„Was soll dieses Pferd bekommen?“

und

„Kann ich in dieser Haltung tatsächlich kontrollieren, was dieses Pferd aufnimmt?“

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Eine passende Ration funktioniert nur, wenn die Haltung ihre Umsetzung ermöglicht. Bei EMS müssen Fütterungsplan und Haltungsmanagement deshalb zusammen gedacht werden.

Weidegang bei EMS – warum „ein bisschen Gras“ nicht so einfach ist

Weidegang bietet Pferden Bewegung, Sozialkontakt und die Möglichkeit, über viele Stunden selbstständig Futter aufzunehmen. Bei Pferden mit EMS und Insulindysregulation kann Gras jedoch gleichzeitig zu einer schwer kontrollierbaren Quelle nichtstruktureller Kohlenhydrate (NSC) werden.

Wie viele dieser Kohlenhydrate ein Pferd beim Weiden tatsächlich aufnimmt, hängt nicht nur davon ab, wie lange es auf der Weide steht. Auch die aufgenommene Grasmenge und die Zusammensetzung des Grases spielen eine Rolle.

Der Zuckergehalt von Gras ist nicht konstant

Der Gehalt an wasserlöslichen Kohlenhydraten im Gras kann erheblich schwanken. Beeinflusst wird er unter anderem durch Pflanzenart, Wachstumsstadium, Jahreszeit, Licht, Temperatur und weitere Umweltbedingungen.

Deshalb lässt sich nicht pauschal sagen:

„Zu dieser Tageszeit ist Gras für ein EMS-Pferd sicher.“

Auch kurze Weidezeiten sind nicht automatisch problemlos. Pferde und Ponys können ihre Grasaufnahme bei zeitlich begrenztem Weidegang erhöhen. Wenig Zeit auf der Weide bedeutet deshalb nicht zwangsläufig wenig aufgenommenes Gras.

Weidegang muss individuell beurteilt werden

Zu Beginn des Managements einer Insulindysregulation kann es notwendig sein, Weidezugang zunächst auszuschließen, damit die Futter- und NSC-Aufnahme kontrollierbar wird.

Ist die Insulindysregulation ausreichend kontrolliert, kann bei geeigneten Pferden ein vorsichtiger und individuell angepasster Weidezugang wieder möglich sein. Ob und in welchem Umfang das sinnvoll ist, hängt von der Stoffwechselsituation und dem individuellen Risiko des Pferdes ab.

Mögliche Maßnahmen zur Begrenzung der Grasaufnahme – beispielsweise zeitlich eingeschränkter Weidegang oder eine gut angepasste Fressbremse – müssen zum jeweiligen Pferd passen. Da die tatsächliche Reduktion der Grasaufnahme unterschiedlich ausfallen kann, sollte nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass eine Fressbremse eine bestimmte Aufnahmemenge garantiert.

Ein grasfreier Auslauf kann eine Möglichkeit sein, Bewegungsraum und kontrollierte Fütterung miteinander zu verbinden, ohne dass gleichzeitig unkontrolliert Gras aufgenommen wird.

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Bei EMS entscheidet nicht allein die Dauer des Weidegangs. Entscheidend ist, wie viel und welches Gras das Pferd tatsächlich aufnimmt und ob der Weidezugang mit seiner individuellen Stoffwechselsituation vereinbar ist.

Bewegungsanreize schaffen – ohne die Futterkontrolle zu verlieren

Wenn Gras nur eingeschränkt oder gar nicht zur Verfügung stehen soll, stellt sich schnell die nächste Frage: Wie lässt sich trotzdem möglichst viel Bewegung in den Alltag bringen?

Ein grasfreier Auslauf muss nicht automatisch bedeuten, dass ein Pferd den ganzen Tag auf einer kleinen Fläche steht. Durch die Gestaltung der Haltung können Wege und Bewegungsanreize entstehen, ohne dass dafür unkontrollierter Zugang zu Gras notwendig ist.

Ressourcen sinnvoll verteilen

Wasser, Raufutter, Unterstand, Ruhebereiche und andere häufig genutzte Bereiche können – sofern Anlage und gesundheitliche Situation des Pferdes es zulassen – räumlich sinnvoll verteilt werden. Dabei müssen alle lebenswichtigen Ressourcen jederzeit gut erreichbar bleiben.

Auch mehrere geeignete Fressplätze können in Gruppenhaltungen sinnvoll sein. Dabei muss jedoch weiterhin gewährleistet sein, dass die individuelle Futteraufnahme eines EMS-Pferdes kontrollierbar bleibt und kein Pferd durch ranghöhere Tiere vom vorgesehenen Futter verdrängt wird.

Bewegung darf nicht durch Hunger erzwungen werden

Ein wichtiger Unterschied besteht zwischen Bewegungsanreizen und Futterentzug. Ein Pferd sollte nicht ständig große Strecken zurücklegen müssen, weil es Schwierigkeiten hat, seine vorgesehene Ration zu erreichen.

Das Ziel ist vielmehr eine Umgebung, in der Bewegung im normalen Tagesablauf entstehen kann, während die notwendige Futterkontrolle erhalten bleibt.

Bei Pferden mit Hufproblemen müssen außerdem Untergrund, Weglängen und die Verteilung der Ressourcen an die aktuelle Belastbarkeit angepasst werden.

Ziel ist deshalb nicht eine möglichst große zurückgelegte Strecke, sondern eine Haltung, die angemessene Bewegung ermöglicht und gleichzeitig Fütterung und Hufgesundheit berücksichtigt.

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Bewegungsanreize sollen Bewegung ermöglichen – nicht Hunger erzeugen. Entscheidend ist eine Haltung, in der sich das Pferd bewegen kann und seine Fütterung trotzdem kontrollierbar bleibt.

Offenstall, Paddocktrail oder Box – was ist bei EMS geeignet?

Die Frage nach der „besten“ Haltungsform für ein Pferd mit EMS lässt sich nicht pauschal beantworten. Keine Haltungsform ist allein durch ihre Bezeichnung automatisch EMS-gerecht oder ungeeignet.

Entscheidend ist, wie die jeweilige Haltung tatsächlich gestaltet ist und ob sie sich an die Bedürfnisse und die gesundheitliche Situation des einzelnen Pferdes anpassen lässt.

Offenstall

Ein Offenstall kann viel Bewegungsfreiheit und Sozialkontakt ermöglichen. Gleichzeitig kann die Fütterung eines einzelnen Pferdes schwieriger zu kontrollieren sein – beispielsweise wenn Raufutter frei verfügbar ist und die individuelle Energie- oder NSC-Aufnahme eines Pferdes begrenzt werden muss.

Das bedeutet nicht, dass frei verfügbares Raufutter grundsätzlich ungeeignet ist. Entscheidend ist, ob es zum individuellen Pferd und seinem Fütterungsmanagement passt.

Ein Offenstall kann deshalb gut geeignet sein, wenn individuelle Fütterung, ausreichende Fressplätze und eine kontrollierbare Futteraufnahme möglich sind.

Paddocktrail

Ein Paddocktrail kann durch längere Wege zwischen verschiedenen Bereichen zusätzliche Bewegungsanreize schaffen. Für ein Pferd mit EMS kann das interessant sein, wenn gleichzeitig Gras- und Raufutteraufnahme kontrolliert werden können.

Aber auch hier gilt: Ein Trail ist nicht automatisch die bessere Haltung. Lange Wege oder ungeeignete Untergründe können für ein Pferd mit schmerzhaften oder instabilen Hufen vorübergehend ungeeignet sein. Bei aktiver Hufrehe kann eine notwendige Bewegungsbegrenzung sogar im direkten Gegensatz zu einem auf möglichst viel Bewegung ausgelegten Haltungssystem stehen.

Box mit Auslauf oder Paddock

Auch eine Box mit geeignetem Auslauf oder Paddock sollte nicht allein aufgrund ihrer Bezeichnung ausgeschlossen werden. Sie kann beispielsweise in bestimmten Krankheitsphasen eine gezielte Kontrolle der Futteraufnahme ermöglichen und notwendige Bewegungsbegrenzungen erleichtern.

Langfristig sollte jedoch berücksichtigt werden, ob das Pferd ausreichend Möglichkeiten zu Bewegung, Sozialkontakt und pferdetypischem Verhalten erhält.

Entscheidend ist das Gesamtsystem

Statt nur zu fragen:

„Welche Haltungsform hat mein Pferd?“

ist bei EMS die wichtigere Frage:

„Kann diese Haltung an die Bedürfnisse meines Pferdes angepasst werden?“

Dabei zählen unter anderem Futterkontrolle, tatsächliche Bewegungsmöglichkeiten, Sozialkontakt, Untergrund, Hufgesundheit und die Möglichkeit, das Management bei Veränderungen anzupassen.

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Die beste Haltung für ein Pferd mit EMS trägt keinen bestimmten Namen. Sie ermöglicht ein individuell angepasstes Management von Fütterung, Bewegung und Hufgesundheit – ohne die grundlegenden Bedürfnisse des Pferdes aus dem Blick zu verlieren.

Das individuelle Pferd entscheidet

EMS kann sich bei verschiedenen Pferden sehr unterschiedlich darstellen. Deshalb kann auch das passende Management von Pferd zu Pferd unterschiedlich aussehen.

Ein übergewichtiges Pony mit deutlich ausgeprägter Insulindysregulation und einer aktuellen Hufrehe stellt beispielsweise andere Anforderungen an Haltung und Fütterung als ein normalgewichtiges Pferd mit Insulindysregulation, das sich schmerzfrei bewegen kann.

Nicht nur die Diagnose betrachten

Für die Gestaltung der Haltung sollte deshalb nicht allein die Bezeichnung „EMS“ entscheidend sein. Wichtig ist das Gesamtbild des einzelnen Pferdes.

Dazu gehören unter anderem der Körperzustand und die Fettverteilung, die Ausprägung der Insulindysregulation, eine bestehende oder frühere Hufrehe, die aktuelle Hufgesundheit sowie das individuelle Fress- und Bewegungsverhalten.

Auch das soziale Umfeld spielt eine Rolle. Ein Pferd, das in einer Gruppe regelmäßig vom Futter verdrängt wird, benötigt möglicherweise ein anderes Fütterungsmanagement als ein Pferd, dessen vorgesehene Ration innerhalb der Gruppe zuverlässig kontrolliert werden kann.

Management darf sich verändern

Was heute gut funktioniert, muss nicht dauerhaft die richtige Lösung bleiben. Körperzustand, Hufgesundheit und Belastbarkeit können sich verändern. Auch die Insulinantwort kann sich unter verändertem Management entwickeln und sollte bei Bedarf erneut beurteilt werden.

Deshalb sollte das Management regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst werden.

Das Ziel ist nicht, einmal die „perfekte EMS-Haltung“ zu finden, sondern eine Haltung zu schaffen, die auf Veränderungen des Pferdes reagieren kann.

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Nicht EMS allein bestimmt die Haltung. Entscheidend ist das Pferd dahinter – sein Stoffwechsel, seine Hufe, sein Körperzustand und seine individuellen Bedürfnisse.

Was kannst du im Alltag selbst beobachten?

Ein gutes EMS-Management endet nicht mit einem einmal erstellten Fütterungs- oder Haltungsplan. Regelmäßige Beobachtungen helfen dabei zu erkennen, ob das gewählte Management weiterhin zum Pferd passt.

Dabei geht es nicht darum, selbst die Insulinregulation zu beurteilen oder eine Diagnose zu stellen. Viele Veränderungen lassen sich im Alltag jedoch frühzeitig wahrnehmen und dokumentieren.

Körperzustand und Fettverteilung

Beobachte regelmäßig, ob dein Pferd zu- oder abnimmt und ob sich regionale Fettdepots verändern. Body Condition Score, Cresty Neck Score, Fotos und eine möglichst gleichbleibende Methode zur Gewichtsschätzung können dabei helfen, Entwicklungen über längere Zeit vergleichbar zu machen.

Futteraufnahme

Gerade in Gruppenhaltung lohnt es sich hinzusehen: Erreicht dein Pferd seine vorgesehenen Fressplätze? Wird es verdrängt? Frisst es möglicherweise an anderen Stellen mit? Auch Veränderungen im Fressverhalten können wichtig sein.

Bewegung und Verhalten

Beobachte nicht nur, wie groß der Auslauf ist, sondern wie sich dein Pferd tatsächlich darin bewegt. Nutzt es verschiedene Bereiche? Bewegt es sich freiwillig und gleichmäßig? Oder werden Wege und Bewegungsbereitschaft plötzlich weniger?

Eine Veränderung der Bewegungsbereitschaft sollte nicht automatisch als Bequemlichkeit interpretiert werden. Schmerzen oder andere gesundheitliche Probleme können dahinterstecken und sollten bei entsprechenden Auffälligkeiten abgeklärt werden.

Hufe im Blick behalten

Bei einem Pferd mit EMS beziehungsweise Insulindysregulation verdient die Hufgesundheit besondere Aufmerksamkeit. Veränderungen im Gangbild, ungewöhnliche Entlastungshaltungen sowie auffällige Veränderungen von Hufwärme oder digitalem Puls können – besonders in Kombination – Gründe sein, genauer hinzusehen.

Bei Verdacht auf eine akute Hufrehe sollte das Pferd nicht zusätzlich bewegt werden, um die Lahmheit zu testen. Unnötige Bewegung sollte vermieden und unverzüglich tierärztlicher Rat eingeholt werden.

Regelmäßig neu bewerten

Die wichtigste Frage lautet deshalb nicht nur:

„Funktioniert unsere Haltung?“

sondern immer wieder:

„Funktioniert sie für dieses Pferd noch?“

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Beobachten, dokumentieren und Veränderungen ernst nehmen. Ein gutes EMS-Management ist kein starrer Plan, sondern wird an die Entwicklung des Pferdes angepasst.

Fazit: EMS-gerechte Haltung muss zum Pferd passen

Die eine perfekte Haltung für ein Pferd mit EMS gibt es nicht. Entscheidend ist, ob Fütterung, Bewegung, Hufgesundheit und die grundlegenden Bedürfnisse des Pferdes miteinander vereinbar sind.

Ein großer Auslauf ist nicht automatisch die beste Lösung, wenn dort die Futteraufnahme nicht kontrolliert werden kann. Ein Paddocktrail ist nicht automatisch EMS-gerecht, nur weil er Bewegung fördern soll. Und eine stärkere Bewegungsbegrenzung kann in bestimmten Krankheitsphasen notwendig sein, obwohl Bewegung langfristig ein wichtiger Bestandteil des EMS-Managements ist.

Kontrolle und Bewegung sind kein Widerspruch

Die Herausforderung besteht darin, Futteraufnahme kontrollierbar zu machen und gleichzeitig angemessene Bewegung zu ermöglichen, sobald die gesundheitliche Situation des Pferdes dies zulässt.

Dabei muss das Management immer wieder neu betrachtet werden. Körperzustand, Hufgesundheit und Belastbarkeit können sich verändern. Auch die Insulindysregulation sollte im Verlauf bei Bedarf tierärztlich erneut beurteilt werden.

Deshalb ist nicht entscheidend, ob ein Haltungssystem auf dem Papier besonders passend erscheint. Entscheidend ist:

Wie funktioniert es für dieses Pferd im Alltag?

Eine gute EMS-Haltung ist deshalb kein starres Konzept. Sie ist individuell, kontrollierbar und anpassbar – und sie berücksichtigt neben dem Stoffwechsel immer auch das Pferd als Ganzes.

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EMS-gerechte Haltung bedeutet nicht, möglichst wenig zu füttern oder möglichst viel Bewegung zu erzwingen. Sie bedeutet, Fütterung, Bewegung und Hufgesundheit so aufeinander abzustimmen, dass sie zur aktuellen Situation des einzelnen Pferdes passen.

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